Kinderheims St.
Hermann-Josef
"Im Jahr 1917 [Anm.: 11. Dezember 1917] wurden zwei Schwestern nach Merkstein gerufen, um 240 Mädchen in der Munitions- und Knopffabrik zu betreuen.
Die Arbeiterinnen hatten Granaten zu füllen, ihre Haut war von Phosphor angegriffen. Sie wußten sicherlich, wie gesundheitsgefährdend ihre Arbeit war, und wahrscheinlich mußten sie beruhigt und getröstet werden. Die Schwestern beklagten allerdings, daß sie nur schwer Kontakt zu ihnen finden konnten.
Bald
folgte eine dritte Schwester, die in der Hauptstraße in einer alten
Scheune Kleinkinder betreute. Es war der Vorläufer des Kindergartens, den
die Schwestern, später in einem eigenen Gebäude, bis 1985 betrieben.
Zur Linderung der Not in den Familien in der schweren
Zeit nach dem ersten Weltkrieg kam eine vierte Schwester nach Merkstein. Sie
übernahm häusliche Krankenpflege und betreute Sterbende. Mit dem Betrieb der
Sozialstation Herzogenrath setzt heute [i.e. 1995!] eine Schwester diese
Tradition fort.
1920 wurde der Waisenjunge Johannes in die
Obhut der Schwestern gegeben. Diese versorgten ihn und die weiteren
ihnen anvertrauten Waisen zunächst nur nebenbei in ihrer beengten Behausung in
der Haupt-, Ecke Bungartzstraße, bis 1924 das
"Antoniuskloster" am heutigen Standort gebaut wurde. Später mußte das
Gebäude um einen gleichgroßen Anbau erweitert werden. 1959 erhielt das
Waisenhaus mit der Errichtung der drei Pavillons nicht nur eine moderne
Unterkunft, sondern auch eine zeitgemäße innere Struktur. Das wird mit der
Umbenennung in "Kinderheim St. Hermann-Josef" im Jahr
1960 verdeutlicht.
Mit einem festlichen Wochenende feierten Kinderheim,
Sozialstation und Kindergarten 1992 die Ankunft der Hiltruper
Schwestern vor 75 Jahren und ihre hilfreiche Tätigkeit in Merkstein.
Ergänzungen zu diesem
Artikel:
1. Die beiden ersten Schwestern aus Hiltrup wohnten in einem
Privathaus an
der Ecke Haupt-/Bungartzstraße, welches heute abgerissen
ist. Dort
befindet sich zurzeit ein kleiner Parkplatz.
2. Die beiden Schwestern übernehmen die Küche in der Munitionsfabrik
"Riesler & Cie" in Worm, der späteren Knopffabrik.
3. Die dritte Hiltruper Schwester Materna eröffnet ebenfalls im Dezember
1917 eine "Bewahrschule" - dies entspricht
einem heutigen Kindergarten -
für 70 Kinder im Jugendheim; dieses befand sich damals
dort, wo heute
der Parkplatz vor dem Pfarrhaus liegt.
4. Im darauf folgenden Jahr 1918 kommen zwei weitere Schwestern von
Hiltrup nach Merkstein, wobei eine die Kirchenwäsche
übernimmt und die andere als Krankenschwester arbeitet.
5. Die Pfarre erwirbt das Haus Dauzenberg mit ca. zwei Morgen Garten- und
Wiesengelände und baut es zum Antoniuskloster um.
6. Im November 1918 ziehen die Schwestern ins Antoniuskloster.
7. Im Februar 1919 eröffnen die Schwestern noch eine Arbeitsschule -
vergleichbar mit der heutigen Hauswirtschaftsschule -
für 25 junge Frauen und
35 Schulmädchen.
8. 1921 ziehen die ersten offiziellen Waisenkinder, 11 an der Zahl,
in das Kloster ein.
Der Artikel der Aachener Volkszeitung zur Einweihung des neuen St. Hermann-Josef-Kinderheims am 14. Dezember 1960 hat folgenden Wortlaut:
„Mit dem kleinen Johannes
begann es
„Aus dem Schwesternhaus wurde ein Elternhaus“ – Segenreiches Wirken der Schwestern
Merkstein. – Mit berechtigtem Stolz kann Merkstein auf das in den Anlagen an der Klosterstraße neu errichtete und am Mittwoch eingeweihte Hermann-Josef-Kinderheim blicken, das dort von der Pfarre St. Willibrord unterhalten wird und wohl eines der schönsten Kinderheime des Regierungsbezirks überhaupt darstellt. Seit über 35 Jahren besteht nun schon das Merksteiner Waisenhaus, in dem meist Kinder aus dem Landkreis untergebracht sind (mit Ausnahme von Kindern aus Merkstein).
Bei der Einweihung des Heims war es Pfarrer Pelzer, der die Entstehung und die bisherige Existenz des Heims sowie die Arbeit der Hiltruper Ordensschwestern würdigte, die nunmehr bereits seit 43 Jahren ihre segensreiche Tätigkeit in Merkstein ausüben.
Es war im Jahre 1917, als 240 Mädchen im Merksteiner Raum in der damaligen Rüstungsindustrie eingesetzt wurden. Damals wäre es Pfarrer Bungartz gewesen, der darum bat, dass sich Ordensschwestern der gefährdeten Mädchen annehmen sollten. So kamen die Hiltruper Ordensschwestern nach Merkstein. Einige Jahre später hätte man dann einen Kindergarten für 70 Kinder eröffnet und dem Kloster eine Nähschule und eine Säuglings-Pflegestation beigegeben.
„Im Jahre 1920 [Anm.: 09. September 1920] brachte jemand einen kleinen Jungen, Johannes war sein Name. Die Schwestern nahmen das Kind an, und das war der Grundstein für dieses Haus. So wurde aus dem Schwesternhaus ein Elternhaus.“ Im Jahre 1924 hätte man sich dann entschlossen, einen Flügel anzubauen, um im März 1925 offiziell das neue Heim für die Kinder einzuweihen, das in den nachfolgenden Jahren manchen Sturm erlebte.
Schwer wäre die Zeit der Evakuierung im Jahre 1944 gewesen, berichtete Pfarrer Pelzer weiter. Über Nacht hätten die Schwestern mit den Kindern das Haus verlassen müssen, um nach Mitteldeutschland zu ziehen. Dort erlebten sie den Einzug der Russen. Doch bereits 1945 seien die Schwestern mit den Kindern wohlbehalten an Leib und Seele wieder nach Merkstein zurückgekehrt, wo man nichts mehr vorfand, nicht einmal ein Bett, um sich auszuruhen.
Als man im Jahre 1950 das 25jährige Bestehen des Waisenhauses feierte, da wäre zur Not wieder alles hergerichtet gewesen. Damals aber hätte man bereits erkannt, dass das Heim in dieser Form nicht mehr den Erfordernissen gerecht geworden wäre. Trotzdem, so schloß Pfarrer Pelzer, hätte es weitere zehn Jahre gedauert, bis man nun das neue Kinderheim in der jetzigen Art hätte verwirklichen können.“
Zu demselben Thema findet man in den Aachener Nachrichten
(?) vom
16. Dezember 1960 folgenden Artikel:
„Hermann-Josef-Heim eingeweiht: Kinder sollen sich hier heimisch fühlen
Alle äußeren Voraussetzungen sind dazu gegeben –Neuzeitlich in jeder Hinsicht – Trotzdem aber: nur Ersatz fürs Elternhaus
Merkstein. – Trotz allem ist das, was hier jetzt steht, nur Ersatz für das Naturnotwendige, für das „Elternhaus“, stellte Pastor Pelzer als „Hausvater“ des neuen Hermann-Josef-Kinderheims fest, als dieses in Gegenwart von vielen geladenen Gästen und den Heimschwestern am Mittwochnachmittag seiner Bestimmung übergeben wurde und die 54 Kinder Besitz von ihrer Heimstatt ergriffen.
Aus dem Kreis der geladenen Gäste begrüßte Pastor Pelzer u.a. Caritasdirektor Prälat Dr. Firmenich, Oberverwaltungsrat Gerlach von der Kreisverwaltung Aachen-Land, Bürgermeister Landrock und die Fraktionsvorsitzenden Hammes und Germseck des Gemeinderates, Beigeordneten Kahlen, Prokurist Scholtes von den Vereinigten Glaswerken, Architekt Dipl.-Ing. Göb und seinen Mitarbeiter Sevenich als Planer des Heims sowie die Mitglieder des Kirchenvorstandes.
Dank allen Helfern
Mit Absicht hätte man bei der Feierstunde auf künstlerische „Zutaten“ verzichtet, weil diese nicht zum sozialen Charakter des Hauses passen würden. So betonte Pfarrer Pelzer, dass das Hermann-Josef-Heim auch unter seinem neuen Namen ein Waisenhaus bleiben würde. Nachdem er einen geschichtlichen Rückblick seit der Entstehung des Heims im Jahre 1917 gegeben hatte (…), berichtete der Pfarrer, dass 1950 nach dem Wiederaufbau bereits festgestellt worden wäre, entweder etwas Neues zu schaffen oder das Heim aufzuheben. Nach Jahren der Planung hätte man nun in 19monatiger Bauzeit das schöne Heim erstellt, in dem den Kindern aber immer Vater und Mutter, die nie zu ersetzen wären, fehlen würden.
Den Schwestern mit Oberin Arialda MSC sagte Pastor Pelzer dafür Dank, dass sie ihre ganze menschliche Liebe für die Kinder opferten. Das hätte den Verantwortlichen auch das Vertrauen gegeben, das Heim überhaupt erstehen zu lassen. Der Heimbau sei von allen gutmeinenden Menschen getragen worden: Regierung, Kreis, Gemeinde und Diözese.
Modernste Pädagogik
Caritasdirektor Dr. Firmenich, der allen Räumen die kirchliche Weihe gab, hob in seiner Glückwunschansprache heraus, dass er mit besonderer Freude nach Merkstein gekommen sei, „weil hier Kirchenvorstand und Schwestern die Courage aufbrachten, ein solches Risiko auf sich zu nehmen. Wir haben uns auch nicht gescheut, modernste Pädagogik in dieses Haus zu übernehmen.“ So sei das Haus in seiner äußeren Gestaltung geeignet, den Kindern ein guter Ersatz für das Elternhaus zu sein.
Prälat Dr. Firmenich bezeichnete es
heute als nicht schwer, die finanziellen Mittel für den Bau eines solchen Heims
zu erhalten. Mehr Kummer bereiteten die Nachwuchssorgen bei den
Ordensgenossenschaften. Auch im weltlichen Raum fänden sich zu wenig Menschen
bereit, in einem solchen Haus zu arbeiten, in dem es keinen Achtstundentag
gebe, denn hier gelte es, die mütterliche Liebe zu erhalten und auf die Kinder
zu übertragen.
Für den Landkreis sprach Oberverwaltungsrat Gerlach
Glückwünsche aus, wobei er seine Freude darüber ausdrückte, dass nun auch der
nördliche Landkreis ein einmalig schönes Kinderheim besitze. Die Pfarrgemeinde
St. Willibrord habe es mutig gewagt, die große Last eines solchen Heimbaus auf
sich zu nehmen. „Eigentlich müsste die ganze Gemeinde an dieser Feier
teilnehmen, denn sie sollte sehen, dass der Mensch nicht alles für sich in
Anspruch nehmen muß, sondern auch Aufgaben zu erfüllen hat für andere Menschen
und Kinder, die des Schutzes und der Hilfe bedürfen“, betonte Bürgermeister
Landrock, der Pfarrer Pelzer versprach, dass die Gemeinde auch weiterhin helfen
würde.
Familienhaftes Wohnen
Bevor die Festgäste einen Rundgang durch das neue Heim antraten, erläuterte Dipl.-Ing. Göb den Heimbau und die vollkommene Umgestaltung des alten Klosters, in dem sich jetzt 18 Schwestern-Heimplätze und im Obergeschoß die Wohnräume für das weltliche Personal befänden.
Das Kinderheim sei mit Absicht in das mit alten Bäumen bestandene Gelände gesetzt worden. Mit Absicht hätte man auch die Form der Pavillons gewählt, in denen die Kinder familienhaft wohnen werden. Alle Pavillons sind miteinander verbunden. Durch den unterirdischen Gang sind die drei Bungalows mit der im Altbau befindlichen modernen Küche verbunden, von wo zum Beispiel das Essen direkt in die Stationen der Kleinkinder, Mädchen und Jungen geschafft werden kann. Außerdem verfügt jeder Pavillon über eine eigene Teeküche, in der für die Kinder morgens und abends Sonderzubereitungen gerichtet werden können.
Jeder Pavillon hat einen Arbeits- und Spielraum (durch Wegnahme einer Zwischenwand lässt sich ein großer Raum schaffen) sowie seitlich angesetzt Schlafräume, in denen, je nach Alter der Kleinen, vier, fünf und sechs Kinder in einem Raum schlafen. In diesem Schlaftrakt hat auch die Abteilungsschwester einen eigenen Wohn- und Schlafraum, damit sie sich stets in der Nähe „ihrer“ Kinder befindet.
Kinder und Schwestern hätten bei den Umbauarbeiten im alten Kloster sehr viele Strapazen auf sich nehmen müssen, bevor die Arbeiten abgeschlossen werden konnten, betonte Dipl-Ing. Göb.
Neben der großen und sehr modern eingerichteten Küche im Altbau befinden sich im Erdgeschoß ein Empfangsraum, die Kapelle sowie die Sakristei. In der einfach und schlicht gehaltenen Kapelle findet in jeder Woche eine hl. Messe statt. In den Obergeschossen sind u. a. die Klausur der Ordensschwestern wie die Wohnräume für das gesamte Personal.“
"Ein herzliches „Deo gratias“
Auf ein 50jähriges Bestehen konnte am ersten Novembersonntag
[Anm.: 05. November 1967] das Kloster und Kinderheim der Hiltruper
Missionsschwestern in Merkstein zurückblicken. Im vergangenen halben
Jahrhundert haben die Schwestern sich mit unermüdlicher Sorge und Arbeit der
ihnen anvertrauten Kinder angenommen. Darüber hinaus unterhalten sie seit
Jahrzehnten eine ambulante Krankenstation und haben vielen Kranken Trost und
Hilfe bis zur letzten Stunde gebracht.
In einem feierlichen Gottesdienst
dankte die Pfarrgemeinde
St. Willibrord Gott für die Gnade und Güte, die er dem Kloster und den
Schwestern in den vergangenen Jahren hat zuteil werden lassen. Pastor Pelzer
bezeichnete das Wirken der Schwestern in seiner Ansprache als Sauerteig in der
Gemeinde.
Beim anschließenden Festakt im St.-Hermann-Josef-Kinderheim konnte Pastor Pelzer zahlreiche Ehrengäste begrüßen, u.a. die Provinzialoberin der Hiltruper Missionsschwestern, Mutter Radegunde, Oberin Wendelgart und die früheren Merksteiner Oberinnen Schwester Theobalda und Schwester Arialda. Als Vertreter unseres Bischofs Johannes und für den Diözesancaritasverband war Caritasdirektor Buchholz gekommen. Grüße galten auch den Vertretern der Gemeinde Merkstein und der Lehrerschaft.
Pastor Pelzer ließ noch einmal die vergangenen segensreichen 50 Jahre lebendig werden, als er die Arbeit der Schwestern zum Wohl der Kinder in Erinnerung rief. Die Wirren zweier Weltkriege, Evakuierung und Unterdrückung, all das habe die Existenz des Klosters nie gefährden können. Dank gelte an diesem Tag zunächst dem Herrn für seine Gnade, dann aber auch den Schwestern, die in Merkstein wirken und gewirkt haben.
Caritasdirektor Buchholz übermittelte die Glückwünsche und den Dank unseres Bischofs und des Caritasverbandes. Er stellte den selbstlosen Einsatz der Schwestern zum Wohle des Nächsten in den Mittelpunkt seiner Grußworte und betonte, dass nur Gott allein wisse, wie viel Gutes die Schwestern in der Stille gewirkt haben. Mit seinem Dank verband er die Hoffnung, daß das Kloster in Merkstein noch lange Jahre erhalten bleiben möge. Nach den Glückwunschadressen der Vertreter der Gemeinde, Bürgermeister Landrock und Gemeindedirektor Kahlen, und der Lehrerschaft dankte Mutter Radegunde allen, besonders aber der Pfarre und der Gemeinde für die dem Kloster erwiesene Hilfe und Unterstützung, die keineswegs selbstverständlich sei. „Ich möchte Merkstein wünschen, dass Sie oben beim Herrn einmal eine neue Gemeinde bilden“, sagte die Provinzialoberin abschließend. Schwester Oberin Wendelgart dankte im Namen ihrer Mitschwestern für die stete Hilfsbereitschaft und das Verständnis, das man in Merkstein vorgefunden habe. Umrahmt wurde die Feierstunde von Musikdarbietungen eines Streichquartetts des Städtischen Orchesters Aachen und der Kinder des Kinderheimes.“
Zum 75jährigen Bestehen wurde über die AZ wie folgt eingeladen .....:
„Kinderheim feiert
MERKSTEIN. – Vor 75 Jahren hoben die Hiltruper
Missionsschwestern in der Alt-Merksteiner Pfarre St. Willibrord gleich drei
Dinge aus der Taufe: Kinderheim, Kindergarten und Pflegestation. Für Samstag,
26. September, laden Schwestern, Erzieher und Kinder zum Dankgottesdienst um 11
Uhr ein – bei schönem Wetter unter freiem Himmel auf der Wiese des Kinderheims,
bei Regen in St. Willibrord. Ein Tag der Begegnung schließt sich in Kinderheim
und –garten an.“
..... und nach dem Fest so berichtet (AZ 28. September 1992):
„Tag des Feierns und des Wiedersehens Hermann-Josef-Kinderheim und Kindergarten begingen ihr 75jähriges
Herzogenrath. Das Merksteiner Kinderheim
Hermann-Josef in der Bungartz-Straße hatte am Wochenende viele Gäste
eingeladen, um das 75jährige Bestehen des Kindergartens, heute an der
Hauptstraße gelegen, sowie 75 Jahre Heim- und Pflegestation zu feiern. So wurde
dieser Tag auch ein großes Wiedersehensfest für einige Schwestern und ehemalige
Kinder und Jugendliche.
Gekommen waren unter anderem Sr. Aloisia, die in den Jahren 1938 bis 1952 in
Merkstein tätig war, und Sr. Carenca, die ebenfalls viele Jahre im
Hermann-Josef-Haus wirkte. Dabei trafen sie auch viele Merksteiner Bekannte,
wie Alwine Langohr, die 1938 schon mit Sr. Aloisia als Helferin
zusammenarbeitete. Die Ordensgemeinschaft der Missionsschwestern vom Heiligsten
Herzen Jesu aus Münster-Hiltrup wurde durch Schwester Josefia repräsentiert.
Die Caritas vertrat Renate Streil aus Aachen.
Natürlich fehlten bei einem solchen Jubiläum auch nicht die Vertreter der Stadt
Herzogenrath, wie Bürgermeisterin Petra Meisler, Vize-Bürgermeister Karl-Hubert
Dammers und Heinz Küppers, Vorsitzender des Sozialausschusses. Alle gemeinsam
verzichteten auf große Reden, „denn was die Schwestern und die vielen Helfer
und Helferinnen in den vergangenen 75 Jahren geleistet haben“, so Petra
Meisler, könne man sowieso nicht in Worte kleiden. Statt dessen drückte sie der
Oberin,
Sr. Manuele, einen inhaltsvollen Umschlag in die Hand, mit dem man sicherlich
die eine oder andere Lücke schließen könne.
Einen Gottesdienst zelebrierte auf der Heimwiese Pastor Josef Voß. In einer Predigt wies er auf die wirkungsvollen und segensreichen Tätigkeiten im Sinne der Nächstenliebe hin. Kinder aus dem Kindergarten und dem Hermann-Josef-Heim bildeten während des Gottesdienstes einen Chor. Anschließend ließ die „Grupo Saya Marka“ aus Ecuador auf ihren Instrumenten südamerikanische Rhythmen erklingen.
Die Verantwortlichen hatten am „Tag der Begegnung“ alles
aufgeboten, was zu einer solchen Feier gehört. Auf Stellwänden war die
Geschichte der Einrichtung dokumentiert. Sie gaben in Wort und Bild die
vergangenen
75 Jahre wieder. Ein Stück Pädagogik wurde offenbart. Ein großes
Unterhaltungsprogramm wurde den ganzen Tag über geboten. Prominente spielten
Fußball, und die Kinder fuhren mit (dem) „Kinder-Taxi“. Es fanden Führungen
durch das Haus statt. Informationen wurden erfragt und gegeben und einmal mehr
das Miteinander in der Gemeinschaft dokumentiert. Während am Ende der
Bungartzstraße festliche Stimmung herrschte, war dies im Kindergarten nicht
anders, der am Anfang dieser Straße steht. Kleine, bunte „Füße“ wiesen den Weg
ins Mutterhaus, buntgeschmückte Fassaden und der Vorgarten wiesen auch hier auf
einen besonderen Tag hin. Musik und Unterhaltung, Spiele und Begegnungen
zwischen Eltern der Kindergartenkinder und Merksteiner Bewohnern, vielen
Ehemaligen, standen Samstag auch hier im Mittelpunkt.
Es wurde über die Arbeit in den Gruppen Regenbogen, Schmetterling und Marienkäfer gesprochen. Dabei konnte festgestellt werden, daß nicht nur das Interesse bei den Eltern groß war, sondern auch bei den Familien, die einmal ihr Kind oder ihre Kinder in die Obhut eines solchen Hortes geben möchten.“
Quelle Aachen Nachrichten und Aachen Volkszeitung
Im Jahr 1917 kamen die ersten Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu aus Hiltrup auf Wunsch von Pfarrer Bungartz nach Merkstein. Die Schwestern arbeiteten in verschiedenen Arbeitsfeldern, um die sozialen Nöte der Zeit zu mildern. Als die ersten Waisenkinder in die Obhut der Schwestern gegeben wurden, entstand das damalige Waisenhaus und heutige Kinderheim.
Seit dieser Zeit wurde das Kinderheim kontinuierlich auf- und ausgebaut, jeweils orientiert an den gesellschaftlichen Anforderungen und den Erfordernissen der betroffenen Kinder und Jugendlichen.
Im Mai 2009 sind die letzten zwei Ordensschwestern aus Altersgründen aus ihrem Dienst in unserem Kinderheim ausgeschieden. Damit endete die 92-jährige engagierte Arbeit der Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu aus Münster-Hiltrup.